Wie ist es, in einem Reethaus zu wohnen?

nordlichtpost-reethausWer kennt und liebt nicht die malerischen reetgedeckten Landhäuser im Norden? Sie geben Norddeutschland das typische Gepräge und fügen sich natürlich in die Landschaft ein. Immer mehr Menschen suchen unter dem Reetdach „Entschleunigung“ im Urlaub. Was andernorts das Dach aus Palmblättern oder Schiefer darstellt, ist hier das nachwachsende Schilfrohr.

In den ehemaligen Fischerdörfern an der deutschen Nord- und Ostsee begegnet man dieser Bedachung leider immer weniger häufig und doch ist sie so typisch für die Küstenlandschaft: Etwas verträumt und ein bisschen melancholisch wirkt das Reetdach – wie eine tief ins Gesicht gezogene Mütze, die Schutz vor zu starkem Wind und Wetter bietet.

Oft ist das Reetdach mit dunkelgrünem Moos bewachsen und die Giebelseiten des Daches sind mit zwei Pferdeköpfen versehen ( die „echten“ schauen sich nicht an), sie dienen zur „Geisterabwehr“.

Im Urlaub in Norddeutschland umweltbewusst leben

Unter einem Original- Reetdach stellt sich ein tolles Lebensgefühl ein. “ Reet“ ist das getrocknete Schilfrohr, das an Ufern oder auf sumpfigem Gelände wächst und zum Dachdecken verwendet wird. Es handelt sich um ein natürliches Material aus der Region. Es gibt beim Bau keine langen Transportwege, der nachwachsender Rohstoff Schilf ist nachhaltig und sehr langlebig.

So ein Reetdach ist relativ teuer, kann leicht Feuer fangen und abbrennen. Früher war es das Dach für arme Leute: Der Lehmkaten wurde selbst errichtet, darauf das Dach aus im Winter selbst geschnittenem Reet. Diese Baustoffe aus der näheren Umgebung kosteten fast nichts und wurden eigenhändig mit der Schubkarre herangeschafft. Das Reet musste zugeschnitten und auf den Dachsparren festgeklopft werden. Es spezialisierten sich die Reetdach-Decker, aber das ist inzwischen ein seltener Beruf geworden. Doch das Bewusstsein um den Erhalt alter Handwerkstraditionen ist heutzutage angesagter denn je. Gut erhaltene und liebevoll restaurierte Haubarge auf den Ogen und am Nordseestrand künden davon, diese wertvolle Tradition nicht aussterben zu lassen.

Auch die noch original erhaltenen Seemanns- und Kapitänshäuser auf der Halbinsel Fischland-Darss-Zingst, mit ihren buntbemalten und geschnitzten Haustüren sind von Liebhabern entdeckt worden. Sie bieten den Erholungssuchenden in ihrem Urlaub mit ihren Reetdächern ein für Norddeutschland authentisches Domizil.

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