Dirk Nowitzki trägt die deutsche Fahne PDF Drucken E-Mail
weltsportDie deutsche Fahne wird bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking am Freitag gut zu sehen sein. Denn ein 2,13 Meter großer Athlet trägt sie ins Stadion: NBA-Star Dirk Nowitzki. Und sie wird von anderen Ländern besonders beachtet werden. Der Basketballer Nowitzki ist neben Fußballer Michael Ballack der bekannteste aktive deutsche Sportprofi.

„Das ist eine Riesenehre und Auszeichnung für mich. Es wird mir kalt den Rücken runterlaufen, wenn ich ins Stadion einlaufen darf“, sagte der 30-Jährige. „Wir haben uns für einen Fahnenträger entschieden, der eine untadelige sportliche Haltung hat, der Erfolg mit Teamgeist verbindet. Der das Big Business kennt und trotzdem bescheiden geblieben ist“, sagte Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Es ist auch eine Entscheidung für den olympischen Geist. Denn Nowitzki erfüllt nicht das übliche Kriterium für den Fahnenträger: Er kann keine olympischen Erfolge vorweisen. Weil er – zum ersten Mal bei Olympischen Spielen dabei ist. Wenn es nach dem bisherigen Auswahlverfahren gegangen wäre, dann hätte Ralf Schumann die Fahne tragen können. Dreimal Gold hat der Sportschütze bisher gewonnen. Oder Kathrin Boron, sie gewann im Rudern sogar viermal Gold und ist in Peking zum fünften Mal bei Spielen dabei.

Doch es geht bei Olympia noch um etwas anderes. Um die Erfüllung eines Traums, um das Erleben und Feiern eines Sportfestes gemeinsam mit Athleten aus anderen Sportarten und anderen Ländern. Dafür steht Dirk Nowitzki. Er freue sich schon darauf, mit Athleten „um Mitternacht in der Mensa des olympischen Dorfes einen Schokoriegel zu essen“, hatte er kürzlich gesagt. Schöner hätte er den olympischen Geist kaum beschreiben können.

Nowitzki hatte das Bewerbungsverfahren vor drei Wochen bei der Qualifikation der deutschen Basketballspieler in Athen eröffnet. Als er zum einen eine sportlich herausragende Leistung brachte. Aber auch deutlich zeigte, was ihm Olympia eigentlich bedeutet. Er riss die Mannschaft mit, und als er es geschafft hatte, konnte Nowitzki seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Nach dem Spiel erzählte er dann vom Schokoriegel im olympischen Dorf.

Wenig später sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes: „Mit seinem deutlichen Bekenntnis zu Olympia ist er ein idealer Botschafter für die gesamte Mannschaft.“ Von da an lief alles auf Nowitzki zu. Im Internet wurden sogar Stimmen für Nowitzki gesammelt. So viel Unterstützung hatte ein Fahnenträger wohl noch nie. Den Widerspruch zwischen kommerzialisiertem Profisport und dem olympischen Motto hat Nowitzki jedenfalls aufgelöst. 15 Millionen Dollar beträgt sein geschätztes Jahresgehalt. Das ändert aber offenbar nichts an seinen Gefühlen für Olympia.

Hier eine Liste der deutschen Fahnenträger bei Olympischen Spielen:

  • 1908 London: Wilhelm Kaufmann (Turnen) Deutschland
  • 1912 Stockholm: Karl Halt (Leichtathletik) Deutschland
  • 1928 Amsterdam: Ernst Paulus (Leichtathletik) Deutschland
  • 1932 Los Angeles: Georg Gehring (Ringen) Deutschland
  • 1936 Berlin: Hans Fritsch (Leichtathletik) Deutschland
  • 1952 Helsinki: Friedel Schirmer (Leichtathletik) Bundesrepublik Deutschland
  • 1956 Melbourne: Karl-Friedrich Haas (Leichtathletik)  Gesamtdeutsche Mannschaft (BRD)
  • 1956 Stockholm: Fritz Thiedemann (Reiten) Gesamtdeutsche Mannschaft (BRD)
  • 1960 Rom: Fritz Thiedemann (Reiten) Gesamtdeutsche Mannschaft (BRD)
  • 1964 Tokio: Ingrid Engel-Krämer (Wasserspringen) Gesamtdeutsche Mannschaft (DDR)
  • 1968 Mexiko-Stadt: Wilfried Dietrich (Ringen) BRD, Karin Balzer (Leichtathletik) DDR
  • 1972 München: Detlef Lewe (Kanu) BRD,  Manfred Wolke (Boxen) DDR
  • 1976 Montreal: Hans Günter Winkler (Reiten) BRD, Hans Reimann (Leichtathletik) DDR
  • 1980 Moskau: Kristina Richter (Handball) DDR
  • 1984 Los Angeles: Wilhelm Kuhweide (Segeln) BRD
  • 1988 Seoul: Reiner Klimke (Reiten) BRD,  Ulf Timmermann (Leichtathletik) DDR
  • 1992 Barcelona: Manfred Klein (Rudern) Deutschland
  • 1996 Atlanta: Arnd Schmitt (Fechten) Deutschland
  • 2000 Sydney: Birgit Fischer (Kanu) Deutschland
  • 2004 Athen: Ludger Beerbaum (Reiten) Deutschland
  • 2008 Peking: Dirk Nowitzki (Basketball) Deutschland

Quelle tagesspiegel.de
 

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