Highlight des Jahres - Bornreihe empfängt den VSK PDF Drucken E-Mail
lokalsportKerim Batouche spricht aus, was die Fußballfans aus dem Kreis Osterholz denken: "Das wird eine richtig coole Sache. Da freue ich mich schon jetzt riesig drauf." Nicht nur der Stürmer des SV Blau-Weiß Bornreihe fiebert dem mit großer Spannung erwarteten Derby in der Fußball-Oberliga Niedersachsen Ost am morgigen Sonnabend um 14.30 Uhr bei Postels gegen den VSK Osterholz-Scharmbeck entgegen. Bornreihe gegen den VSK - das ist das Fußballspiel des Jahres.

In der Landesligasaison 02/03 kreuzten beide Vertreter letztmalig in Punktspielen die Waffen. Im Hin- und Rückspiel vor spektakulärer Kulisse: Wenige Minuten vor dem Anpfiff waren die Schlangen an den Kassenhäuschen bei Postels noch 50 Meter lang. Der Schiedsrichter pfiff die Partie 15 Minuten später an. 1400 Zuschauer sahen den Vergleich in Bornreihe, im Rückspiel im Waldstadion waren es sogar 1800 Fans.

Ganz so voll wird es vermutlich morgen nicht, dennoch steht fest: Dieses ewige Duell zwischen dem Kultklub aus dem 160-Seelen-Dorf im Teufelsmoor und dem Großverein aus der Kreisstadt mit rund 20 Mal so vielen Mitgliedern wie Bornreihe Einwohner hat, dieses Spiel mobilisiert die Fans aus dem Kreis Osterholz. Natürlich haben beide Teams in den vergangenen Jahren mehrfach auf Turnieren oder aber im Pressecupfinale gegeneinander gespielt, doch das zählt nicht - Punktspiel bleibt Punktspiel.

Von der Papierform her kann es morgen eigentlich nur einen Sieger geben: VSK Osterholz-Scharmbeck. Alles aber auch wirklich alles spricht für die mit erheblich besseren finanziellen Mitteln ausgestatteten Gäste: Der VSK hat zuletzt vier Siege in Folge eingefahren und ist vom Spielermaterial her deutlich besser bestückt. Keine Frage, es läuft derzeit rund beim VSK. Bornreihe hingegen gab zuletzt vor allem außerhalb des Spielfeldes ein ziemlich trostloses Bild ab. Magere zwei Punkte aus den letzten sechs Spielen mit einer Torausbeute von 9:20 Treffern. Der letzte Sieg liegt bereits sieben Wochen zurück (1:0 gegen Celle). Noch schlimmer aber das Drumherum: Trennung von Trainer Andreas Rüter, ein Nachfolger wurde immer noch nicht benannt - nicht wenige Fans machen sich derzeit um ihren Herzensverein riesige Sorgen.

Und dennoch, es gibt nicht wenige, die dem Underdog eine Überraschung zutrauen. Bornreihe gegen den VSK - das ist eben kein Fußballspiel, in dem es einfach nur um Gesetzmäßigkeiten geht. Und genau das macht den ungemeinen Reiz in diesem Vergleich David gegen Goliath aus.

Auch wenn sich Bornreihes Goalgetter Waldemar Hamburg nach Kräften müht, den Stellenwert dieser Partie herunterzuspielen: "Dieses Spiel bedeutet mir nicht viel. Das ist ein Spiel wie jedes andere." Wer’s glaubt wird selig. Sein Sturmpartner Kerim Batouche klingt da schon ein wenig glaubwürdiger: "Das wird eine einmalige Erfahrung sein, bei einem solchen Spiel dabei zu sein."

Bornreihe gegen den VSK - dieses Spiel taugt für Legenden. Vor ziemlich exakt sechs Jahren, am 17. November 2002, triumphierte der VSK in Bornreihe vor besagten 1400 Zuschauern mit 2:1. Die VSK-Führung markierte damals ein gewisser Günter Hermann, der sich für dieses außergewöhnliche Spiel höchstselbst aufgestellt hatte. Das zweite Tor des verdienten Siegers schoss Dennis Frey. Auch diesem Tor ging ein schlimmer Patzer von Torwart Florian Naujoks voraus, der derzeitigen Nummer zwei im Bornreiher Tor. Den Bornreiher Ehrentreffer erzielte Michael Nickel.

Das Rückspiel dürften die 1800 Zuschauer noch in bester Erinnerung haben: Während sich die VSK-Spieler in ihrer Hälfte eifrig warmliefen, war von den Bornreihern weit und breit nichts zu sehen. Erst zehn Minuten vor dem Anpfiff betraten die Gladiatoren aus dem Teufelsmoor die Arena. Sie hatten sich in Bornreihe warmgelaufen und waren dann schnell mit dem Auto in die Kreisstadt gefahren. Wie auch immer - diese Maßnahme fruchtete, der SV Blau-Weiß siegte mit 2:1 und verdarb dem VSK damit die vorzeitige Meisterfeier. Dennoch wurde der VSK Erster und stieg verdient in die Niedersachsenliga auf. Bornreihe wurde Zweiter und bekam später im Aufstiegsspiel in Unterlüß im Kreis Celle vom SC Sparta Göttingen eine 1:6-Abreibung verpasst.

In beiden Kadern stehen mittlerweile nur noch ganz wenige Akteure, die die beiden legendären Derbys in der Landesliga hautnah miterlebt hatten. Auch wenn sich beide Klubs mit anderem Personal gegenübertreten werden - die Bedeutung dieser Partie bleibt die gleiche. Wer verliert, der wird sich fleißig Sprüche anhören müssen, auf die er gut und gerne verzichten könnte. Die Spieler untereinander, die Fans aus beiden Lagern aber nur bedingt, denn die gehen sich für gewöhnlich aus dem Weg. Bornreiher Zuschauer sind bei den Heimspielen des VSK ebenso schwerlich zu finden wie die VSK-Fans auf dem Platz bei Postels. Ob es gesteigertes Desinteresse ist oder man sich gegenseitig das Eintrittsgeld nicht gönnt - diese Frage bleibt ungeklärt. Morgen Nachmittag werden beide Fanlager am Start sein, es heißt schließlich Bornreihe gegen den VSK.

Quelle Osterholzer Kreisblatt
 

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