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Will Quadflieg (* 15. September 1914 in Oberhausen; † 27. November 2003
in Osterholz-Scharmbeck; eigentlich Friedrich Wilhelm Quadflieg) war
ein bedeutender deutscher Theaterschauspieler.#
Leben und Wirken
Schon während der Schulzeit nahm Will Quadflieg Schauspielunterricht
und bekam 1933 sein erstes Engagement in seiner Heimatstadt. Über
Umwege kam er 1936 nach Berlin, wo er an der Volksbühne bei Eugen
Klöpfer und im Schiller-Theater schnell zum Star avancierte, unter
anderem unter Heinrich George.
Die Intendanten, unter denen er spielte, standen mit dem Naziregime auf
gutem Fuß. Doch obwohl Will Quadflieg die Ansichten der Nazis nicht
teilte, war auch er ein Nutznießer (er musste die Bühne nicht mit der
Front tauschen). Stattdessen war er an zwei Filmen zur Hebung der Moral
beteiligt, was er zeitlebens bereute. Er war einer der wenigen Großen
der Branche, die sich nach dem Krieg um Reue und Sühne bemühten. Seiner
Ansicht nach hatte sein größter Fehler darin bestanden, dass er
versucht hatte, einfach sein Privatleben so weiterzuführen, als wenn
nichts geschehen wäre.
Es folgte der Wiederaufbau der Theaterkultur in Hamburg, wo Will
Quadflieg ab 1947 ans Deutsche Schauspielhaus engagiert wurde, zugleich
auch in Zürich und bei den Salzburger Festspielen als „Jedermann“. 1956
bis 1962 arbeitete er unter Gustaf Gründgens, in dessen erfolgreicher
Verfilmung des Faust I von Goethe er die Titelrolle spielte (1957), die
ihn auch einem internationalen Publikum bekannt machte. 1964 spielte er
am Wiener Burgtheater als Macbeth die Titelrolle und stieß so zum
Ensemble des Theaters.
In den 1960er und 1970er Jahren wurde es ruhiger um Will Quadflieg, der
nie ein Hehl aus seiner Auffassung des Theaters als klassischer
Sprechbühne gemacht hatte. Diese brachte ihn aber in Gegnerschaft zur
sich in den späten 1960er Jahren etablierenden neuen Generation der
Theatermacher, die immer mehr Traditionen des klassischen Theaters über
Bord warfen. Erst Mitte der 1970er Jahre konnte er sich wieder als
gefragter Schauspieler etablieren und verkörperte seither auch moderne
Figuren brillant. Seit 1983 war er am Thalia Theater in Hamburg
engagiert, wo er bis zu seinem Tod spielte.
Will Quadflieg war ein großer Sprechkünstler, welcher das richtige -
deutliche und ausdrucksvolle - Sprechen als eine eigene, schwierige
Kunstform begriff - jenseits der schauspielerischen Darstellung. Er
spielte vor allem klassische Rollen, darunter Romeo, Hamlet, Othello,
Macbeth, Faust, Mephisto, Tasso, Don Carlos und Nathan. Zudem machte er
sich durch zahlreiche Sprechplatten und Vortragsabende einen Namen als
exzellenter Rezitator, war bei Film und Fernsehen zu Gast, unter
anderem in Dieter Wedels Vierteiler Der große Bellheim, blieb aber
stets dem Theater treu.
Will Quadflieg sprach in den 80er Jahren Musikkassetten über klassische
Komponisten (Wir entdecken Komponisten), zum Beispiel Johannes Brahms,
Ludwig van Beethoven und Johann Sebastian Bach. Will Quadflieg lieh
seine Stimme jeweils dem Erzähler, während die übrigen Figuren von
anderen Synchronsprechern, zum Beispiel Helmut Zierl als Johannes
Brahms, besetzt wurden.
Er war Vater von fünf Kindern, darunter Christian Quadflieg, der als
einziger in seine Fußstapfen trat und ebenfalls ein bekannter
Schauspieler wurde; wie sein Vater ist er auch Sprecher von Hörbüchern.
Seine Tochter Roswitha Quadflieg ist Schriftstellerin und
Buchkünstlerin.
Mit Will Quadflieg, der im hohen Alter von 89 Jahren starb, verlor das deutsche Theater einen großen Charakterschauspieler.
Filmografie
- 1938: Der Maulkorb
- 1940: Das Herz der Königin
- 1940: Kora Terry
- 1941: Mein Leben für Irland
- 1942: Schicksal
- 1942: Der große Schatten
- 1942: G.P.U.
- 1944: Philharmoniker
- 1944: Die Zaubergeige
- 1945: Solistin Anna Alt / Symphonie dreier Herzen
- 1950: Die Lüge / Mörder ohne Mord
- 1951: Schwarze Augen
- 1951: Das ewige Spiel
- 1951: Die tödlichen Träume / Liebestraum
- 1952: Die Försterchristl
- 1953: Moselfahrt aus Liebeskummer / Verlobung an der Mosel
- 1953: Vergiß die Liebe nicht
- 1955: Lola Montez (Lola Montès)
- 1955: San Salvatore
- 1958: Jedermann (TV)
- 1960: Faust
- 1960: Ein Monat auf dem Lande (TV)
- 1961: Rosmersholm (TV)
- 1962: Annoncentheater - Ein Abendprogramm des deutschen Fernsehens im Jahre 1776
- 1966: Die Fliegen (TV)
- 1970: Puppen reden nicht (TV-Serie Dem Täter auf der Spur)
- 1973: Der Sieger von Tambo (TV)
- 1975: Warum es ein Fehler war, Beckmann zu erschießen (TV-Serie Der Kommissar)
- 1976: Der Menschenfeind (TV)
- 1976: Als wär's ein Stück von mir (TV)
- 1977: Die Ratten (TV)
- 1979: Kümmert euch nicht um Sokrates (TV)
- 1979: Ein Kongreß in Berlin (TV-Serie Derrick)
- 1980: Ein Mann von gestern (TV)
- 1981: Dantons Tod
- 1984: Michael Kramer (TV)
- 1986: Die Reise
- 1993: Der gute Merbach (TV)
- 1993: Der große Bellheim (TV-Serie)
- 1994: Eine Endstation (TV-Serie Derrick)
- 1994: Die Wildente (TV)
- 1999: Musica - Dr. Robert Schumann, Teufelsromantiker (TV)
Auszeichnungen
- 1973 Albin-Skoda-Ring für den besten Sprecher des deutschen Sprachraums
- 1984 Verleihung der Plakette der Freien Akademie der Künste Hamburg
- 1986 1. Preis der INTHEGA für „Vor Sonnenuntergang“ mit Will Quadflieg als Geheimrat Clausen
- 1987 1. Preis der INTHEGA für „Ich bin nicht Rappaport“ mit Will Quadflieg als Nat
- 1987 Deutscher Sprachpreis
- 1992 Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon
- 1995 Bambi für das Lebenswerk
- großes Bundesverdienstkreuz der BRD (zurückgegeben)
- Hamburger Medaille für Wissenschaft und Kunst
- Grimme-Preis in Gold
- 1999 Lew-Kopelew-Friedenspreis
Quelle dieser Informationen: www.wikipedia.de
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