( Lilienthal ) Anwohner sollen öffentliches Grün pflegen PDF Drucken E-Mail

ohznewsMindestens 40 Jahre lang hat sich die Gemeinde Lilienthal um die Linden im vorderen Bereich der Hauptstraße gekümmert. Die Mitarbeiter schnitten die Bäume aus und taten auch sonst alles, damit das öffentliche Grün am Lilienthaler Ortseingang üppig sprießt. Jetzt soll mit der gemeindlichen Fürsorge Schluss sein.

 

'Wir haben im Rathaus erfahren, dass es sich um sogenannte Grenzbäume handelt, die in unser Eigentum übergehen sollen', sagen die Anwohner Sascha Riehl, Ralf Brauer und Michael Drusche. Ein ungeliebtes Geschenk.

Die Bürger sind überrascht und verunsichert: Über die Tatsache, dass sich die Gemeinde aus der Baumpflege herauszieht, und viel mehr noch über die Nachricht, dass die Anwohner der Häuserreihe plötzlich für die Linden oder Teile davon verantwortlich sein sollen. 'Wir wollen diese Bäume nicht haben und lehnen die Verantwortung dafür ab', stellen die drei Anlieger stellvertretend für ihre Nachbarn klar.

Die Bürger fürchten mehr Aufwand und mehr Kosten. Was ist, wenn das Wurzelwerk den Gehweg anhebt und jemand zu Fall kommt? Wer haftet für herunterfallende Äste und wer bezahlt künftig den Rückschnitt? Nicht zuletzt gehe es auch um das anfallende herbstliche Laub. Derzeit stelle die Gemeinde kostenlos Müllsäcke für das Laub zur Verfügung. 'Sollen wir für die Tüten und die Entsorgung künftig selbst aufkommen?' fragt Ralf Brauer.

Zeitpunkt nicht zufällig?

Für Sascha Riehl ist der Zeitpunkt des 'Geschenks' nicht zufällig. Er vermutet, dass die Gemeinde auf die bevorstehenden Bauarbeiten für die Straßenbahnlinie 4 reagiert und anfallende Kosten den Hausbesitzern aufladen will. Dies könnte sowohl mit Baumschnitt- oder gar Rodungsarbeiten zu tun haben oder mit Arbeiten in Zusammenhang mit den Stromleitungen, mutmaßt Riehl.

Mit dem geplanten Bau der Straßenbahnlinie 4 habe die Sache absolut nichts zu tun, betont Jens Heinemann von der Bauabteilung im Rathaus auf Nachfrage. Dass die Anwohner für die Straßenbäume vor ihren Haustüren zuständig sein sollen, habe mit rechtlichen Dingen zu tun. Bei Grenzbäumen handele es sich nämlich um Bäume, die ursprünglich auf öffentlichem Boden angepflanzt wurden und im Zuge ihrer Entwicklung in den privaten Bereich gewachsen sind. Damit seien die rechtlichen Voraussetzungen für einen Eigentümerwechsel geschaffen, so Jens Heinemann.

Im Übrigen sei aber nicht die Gemeinde erster Ansprechpartner der Anlieger. Weil es sich bei der Lilienthaler Hauptstraße um eine Landesstraße handelt, sei das Land Niedersachsen der erste Adressat für entsprechende Nachfragen.

Der Lilienthaler Verwaltungsmitarbeiter schlägt dennoch vor, die Historie zu verfolgen, um zu rekonstruieren, wie es zur Anpflanzung der Linden im vorderen Bereich der Hauptstraße gekommen ist. Warum das Thema nach mehr als 40 Jahren jetzt und einigermaßen überraschend auf die Tagesordnung gekommen ist, erklärt Heinemann mit einem Wunsch der Anlieger. Anwohner hätten gefragt, ob die Gemeinde die Bäume auch in diesem Jahr wieder zurückschneide. Daraufhin sei das Grün entlang der Häuserreihe auf Veranlassung der Kommune eingemessen worden - mit dem Ergebnis, dass Teile der Bäume in das Eigentum der Anlieger übergegangen seien. Einen Verwaltungsakt setzte das nach Aussagen des Bau- und Planungsspezialisten nicht voraus, alles sei durch den entsprechenden Paragrafen im Bürgerlichen Gesetzbuch gedeckt. 'Ein ganz normaler Vorgang', findet Jens Heinemann.

Quelle Osterholzer Kreisblatt
 

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