Bühne für die Menschenwürde PDF Drucken E-Mail
ohznewsKurz vor ihren Abitursprüfungen beschäftigen sich einige Schüler des Gymnasiums Osterholz-Scharmbeck mit absurdem Theater. Die Darsteller der Theater AG haben das Stück "Die Nashörner" von Eugène Ionesco in die Gegenwart übertragen. Ihre Interpretation des fiktiven Schauspiels aus dem Jahr 1959 handelt vom entwürdigendem Umgang der Menschen in den Medien.
Die Szene scheint alles zu zeigen: Tempo, Aussprache und Betonung stimmen. Und doch greift Probenleiter Michael Berg ein. "Du kannst den kommenden Satz langsamer und zum Publikum sagen", erklärt der Leiter der Theater AG dem Hauptdarsteller der ersten Szene.
Gemeinsam mit Kollegin Gisela von Olshausen und den 13 Darstellern feilt der Deutschlehrer wenige Stunden vor der Aufführung an der Inszenierung: Auftritte erhalten ihre Feinabstimmung, Dialoge müssen eingeübt werden und Textpassagen erfahren letzte Änderungen.

Am Sonnabend, 13. März, soll ab 19.30 Uhr im Forum der Schule alles wie am Schnürchen klappen. Weitere Aufführungen sind an selber Stelle für Montag und Dienstag, 15. und 16. März, geplant.
Handlung in Gegenwart übertragen Seit August 2009 proben die Mitglieder der Theater AG an dem anspruchsvollen Drama, das im Jahr 1959 in Düsseldorf uraufgeführt wurde. Schüler und Lehrer haben Handlung und Dialoge in die Gegenwart übertragen, Szenen ergänzt und gestrichen. Der Handlungsort wurde in ein fiktives Großraumbüro verlegt. Etwa 50 Prozent des Textbuches wurden verändert, so eine Einschätzung des Leiter-Duos.

Der Autor des Stückes, Eugène Ionesco, hatte einst "Die Nashörner" als Protest gegen die totalitären Herrschaftsregime in der Welt geschrieben - soweit der Deutungsversuch einiger Wissenschaftler. Die Aktiven der Theater AG richten ihre Kritik vor allem gegen das Fernsehen und seinen mitunter schonungslosen Umgang mit Menschen. "Es geht unter anderem um die Entwürdigung des Menschen in etlichen Shows. Die Würde des Menschen wird dort häufig mit Füßen getreten. Da essen viele Protagonisten öffentlich Kakerlaken - und das noch ganz freiwillig", so Berg.
Die Stückauswahl und Bühnenbild entwickelten die Schüler in Eigenregie. Die Abiturienten werden unter anderem versuchen, mit Kamera- und Projektionstechnik ihren Szenen Nachdruck zu verleihen. "Live-Übertragungen" aus einem "Fernsehstudio" auf der Bühne erschweren die Proben erheblich, wie Darstellerin und Proben-Souffleuse Anja Goral meint. "Es ist sehr schwierig, die Abstimmung von Spiel und Beamerprojektion hinzubekommen", so Goral. Gleichwohl freut sie sich, den Zuschauern diese Variante des Dramas vorzustellen. "Die Menschen sollten es sich unbedingt ansehen", rät Goral. Auch Mitschülerin Nina Thölke hofft auf reges Interesse. "Wir wollen den Medienkonsum thematisieren und zeigen, wie wir täglich manipuliert werden", so Thölke.

Interessierte können "Die Nashörner" am Sonnabend, 13. März, ab 19.30 Uhr in ihrer Premiere auf der Forum-Bühne im Gymnasium an der Loger Straße erleben. Weitere Aufführungen sind für Montag und Dienstag, 15. und 16. März, jeweils ab 19.30 Uhr geplant. Der Eintritt ist frei; Spenden sind willkommen, heißt es.

Quelle Osterholzer Kreisblatt
 

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